Sofortrente – was aus 50.000 EURO wird

Rentenversicherung

Sofortrente – was aus 50.000 EURO wird

Von Lutz Reiche

Immer mehr solvente Kunden investieren einmalig einen hohen Geldbetrag in eine private Rentenversicherung (Sofortrente). Auch wenn “Reichenpolicen” zusehends weniger abwerfen, sind sie steuerlich doch interessant. manager magazin sagt, worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Hamburg – 50.000 Euro sind eine Menge Geld. Damit lässt sich mancher Wunsch erfüllen: die Weltreise mit dem Partner, der neue sportliche Zweisitzer, der Ausbau des Eigenheims … Immer mehr Menschen aber, vor allem ältere, investieren einen größeren Betrag einmalig in eine private Rentenversicherung, um im Alter finanziell besser abgesichert zu sein. Das ist nicht die schlechteste Entscheidung. Denn faktisch gehen die meisten Deutschen früher in Rente: Frauen derzeit im Schnitt mit 60,5 Jahren, Männer mit 61,8 Jahren – ihre gesetzliche Rente fällt damit niedriger aus, eine lebenslang gezahlte Privatrente könnte diese Einbußen kompensieren.

Da die privaten Rentenversicherer wegen ihrer konservativen Anlagepolitik am Tropf des Anleihemarktes hängen und die Rendite dieser Papiere bekanntlich unter der jahrelangen Niedrigzinspolitik leidet, werfen private Rentenpolicen aber zusehends weniger ab, wie die jüngste Analyse des Branchendienstes Map-Report zeigt. “Private Vorsorge wird durch Niedrigzinsen immer schwieriger”, sagt Map-Report-Chef Manfred Poweleit.

Die Auszahlungen der Anbieter leiden zugleich unter der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung. Das heißt: Je älter die Menschen werden, desto länger müssen die Lebensversicherer zahlen und desto vorsichtiger kalkulieren sie die Policen. Beides drückt auf lange Sicht die monatlich gewährten Privatrenten empfindlich.

Monatsrenten sind beträchtlich gefallen

Wer zum Beispiel 1992 exakt 50.000 Euro in eine sofort beginnende Rentenversicherung investiert hat, dem überweisen die Anbieter laut Map-Report aktuell im Schnitt eine Monatsrente von 374 Euro, beste Anbieter liegen bis zu 100 Euro darüber. Die besten der Branche haben damit ihren Kunden bislang insgesamt rund 102.000 Euro Rente überwiesen (siehe “Die besten Rentenversicherer” am Ende des Textes). Doch für später abgeschlossene Verträge sieht die Rechnung laut Map-Report schon ganz anders aus. Wer eine Rentenpolice im Jahr 1997 bei gleichem Einmalbetrag abgeschlossen hat, erhält monatlich 316 Euro ausgezahlt. Ein im Jahr 2002 geschlossener Vertrag wirft derzeit im Schnitt nur noch 285 Euro Monatsrente ab.

Private Vorsorge, die das politisch gewollte niedrigere Niveau der gesetzlichen Rente eigentlich kompensieren soll, kann die Versorgungslücke also zusehends nicht mehr schließen. Wer dieses Ziel dennoch verfolgt, wird möglichst bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten, um keine Einbußen bei der Rente hinzunehmen. Zugleich sollte der Vorsorgesparer versuchen, mehr Geld für den Kauf einer Police anzusparen, um damit dem Zinsdruck der Märkte und dem Druck der demografischen Entwicklung zu entgehen.

Länger arbeiten, mehr investieren – das ist leichter gesagt als getan: Denn vielen Arbeitnehmern war es in der Vergangenheit nicht vergönnt, bis zum regulären Renteneintrittsalter ihren Job auszuüben. Ob die Unternehmen angesichts des Mangels an qualifizierten Nachwuchskräften künftig ihre erfahrenen, älteren Mitarbeiter länger beschäftigen werden, anstatt sie womöglich noch mit staatlicher Unterstützung in den Vorruhestand zu versetzen – diese Hoffnung wird zwar vielfach geäußert, muss sich aber erst noch bewahrheiten.

Darüber hinaus darf die Analyse nicht darüber hinwegtäuschen, dass fallende Sofortrenten in gewisser Weise ein Luxusproblem solventer Kunden darstellen. Viele Menschen hätten auch nach einem längeren Arbeitsleben nicht 50.000 Euro oder 100.000 Euro angespart, um sie dann in eine private Rentenversicherung einzuzahlen, sagt Poweleit im Gespräch mit manager magazin. Diese “Reichenpolicen”, wie sie Kritiker auch nennen, sorgen zwar dafür, dass die Branche der Lebensversicherer überhaupt noch wächst. Die Sparanstrengungen der breiten Masse der Kunden, die Monat für Monat vom laufenden Gehalt ihre Prämie für den Lebensversicherer abknapsen, sind aber rückläufig.

“Weder der Staat noch die private Versicherungswirtschaft haben Ideen, wie sie diesem Problem begegnen. Hier drohen gewaltige gesellschaftliche Verwerfungen”, mahnt Vorsorgeexperte Poweleit – und meint damit nichts Anderes als zunehmende Altersarmut in der Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund aber auch bedauerlichen Fehlentwicklungen etwa in der geförderten Riester-Rente mehren sich die Stimmen, die in einer privaten Zwangsvorsorge in Deutschland durchaus eine Option sehen.

Auch wenn die Renditen in der privaten Rentenversicherung fallen mögen, hält Map-Report diese Vorsorgeform gleichwohl für eine sinnvolle Option. Wer mit Aktien für das Alter vorsorge, gehe nun einmal deutlich größere Risiken ein, wie der dreimalige Zusammenbruch der Aktienmärkte in der vergangenen Dekade gezeigt habe. Zudem sei Altersvorsorge über eine Sofortrente steuerlich auf lange Sicht deutlich vorteilhafter. “Dem Aktiensparer knöpft der Fiskus pauschal 25 Prozent ab. Die 65-jährige Sofortrentner zahlt auf den Ertragsanteil seiner Rente lediglich 18 Prozent Steuern.” Eben dieser Steuervorteil sei es auch, der die Sofortrente für die solvente Klientel der Lebensversicherer so attraktiv mache.

Sofortrente, aufgeschoben, sofort, dynamisch oder konstant

Ohne unabhängige Beratung sollte aber kein Verbraucher eine private Rentenversicherung kaufen, mahnen Verbraucherschützer. Denn sie ist ein komplexes Produkt und kennt bereits verschiedene Varianten sowohl in der Anspar- als auch in der Entnahmephase. Bei der aufgeschobenen Rente zahlt der Kunde lange einen gleichbleibenden oder leicht ansteigenden Geldbetrag ein. Aus dem angesparten Kapital bezieht er dann seine lebenslange Rente. Bei der Sofortrente überweist er einmalig einen höheren Betrag, aus dem der Versicherer die Rente zahlt.

In der Entnahmephase ist die Rentenhöhe entweder konstant, sie kann mit zunehmendem Alter aber auch steigen (dynamische Variante) oder drittens fallen. Die Rente selbst setzt sich aus einer garantierten Mindestrente und einer variablen Überschussrente zusammen. Letztere können die Anbieter bei schlechter Kapitalmarktlage kürzen, wovon sie in der Vergangenheit reichlich Gebrauch gemacht haben.

Garantiezeit kann sinnvoll sein, kostet aber

In eine private Rentenversicherung lassen sich zudem verschiedene Bausteine integrieren. Zum Beispiel eine sogenannte Beitragsrückgewähr. Stirbt der Versicherte bereits während der Ansparphase, erhalten seine Hinterbliebenen je nach Vertragsgestaltung einen Großteil der eingezahlten Beiträge inklusive der Überschussanteile zurück. Ähnlich wirkt eine Rentengarantiezeit: Wird sie für zehn Jahre vereinbart, und stirbt der Versicherte bereits ein Jahr nach Rentenbeginn, zahlt der Anbieter die Rente an die Hinterbliebenen neun weitere Jahre aus. Diese Garantie ist selbstverständlich nicht kostenlos. Je länger sie läuft, desto geringer fällt die Rente aus.

Policen mit steigenden Rentenzahlungen (dynamische Renten) dürften vor allem jenen Kunden entgegenkommen, die gesund sind, von einer hohen Lebenserwartung ausgehen und zugleich ein Pflegerisiko im hohen Alter abdecken möchten. Eine fallende Rente eignet sich eher für Menschen, die von einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung ausgehen oder bewusst in den ersten 10 bis 20 Rentenjahren vergleichsweise mehr Geld zur Verfügung haben möchten. Mit ähnlichen Argumenten dürfte ein Berater seinem Kunden vermutlich auch einen Vertrag mit einer konstanten Rentenzahlung nahelegen.

Es mag anrüchig klingen: Aber emotionslos betrachtet ist die private Rentenversicherung letztlich nichts Anderes als eine Wette gegen den Tod und die Rechenkünste der Versicherungsmathematik. Wer deutlich länger lebt als von den Zahlenakrobaten der Assekuranz kalkuliert, macht unter dem Strich ein gutes Geschäft.

 Quelle: Manager Magazin


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