Welcher Entnahmeplan ist für eine sichere Altersvorsorge geeignet?
Kurz erklärt
- Ehrliche Antwort: Einen Entnahmeplan, der pauschal „sicher“ ist, gibt es nicht. Sicherheit entsteht durch den Aufbau des Plans.
- Entnahmerate: Je niedriger, desto länger hält das Kapital. Die klassische 4-%-Regel stammt aus US-Daten. Für Deutschland und heutige Marktlage werden eher 3 bis 3,5 % diskutiert.
- Puffer und flexible Regeln verringern das Risiko, in Krisenjahren Kapital zu sehr abzubauen.
- Feste Fixkosten lassen sich mit einer lebenslangen Sofortrente absichern. Der Rest bleibt flexibel im Entnahmeplan.
Gibt es den „sicheren“ Entnahmeplan?
Die kurze Antwort: nein. Ein Entnahmeplan zahlt Ihnen Geld aus Ihrem Depot aus. Wie lange das reicht, hängt von drei Dingen ab, die niemand vorab kennt: wie sich die Märkte entwickeln, wie hoch die Inflation ausfällt und wie alt Sie werden.
Sicherer wird ein Plan nicht durch ein bestimmtes Produkt, sondern durch Konstruktion. Dafür gibt es fünf Stellschrauben, die ich Ihnen im Folgenden erkläre. Ich bin selbst unabhängiger Versicherungsmakler und vermittle sowohl Sofortrenten als auch Entnahmepläne. Beides hat Vor- und Nachteile, und ich zeige beide.
1. Die Entnahmerate: Wie viel darf ich pro Jahr entnehmen?
Die bekannteste Faustregel ist die 4-%-Regel. Sie geht auf eine Untersuchung des US-Finanzplaners William Bengen aus dem Jahr 1994 zurück und wurde durch die sogenannte Trinity-Studie (1998) bekannt. Beide beruhen auf US-Marktdaten ab 1926 und einem Zeitraum von 30 Jahren.
Für heute gilt: Die „sichere“ Rate ist keine Konstante. Morningstar rechnet in seiner Studie „State of Retirement Income“ jedes Jahr neu und kam 2025 auf eine Startentnahmerate von 3,9 % bei 90 % Erfolgswahrscheinlichkeit über 30 Jahre. 2021 lag der Wert bei nur 3,3 %. Studien für Europa und Deutschland kommen häufig auf etwa 3 bis 3,5 %. [QUELLE PRÜFEN: Primärstudie für Deutschland/Europa, z. B. Pfau, statt Sekundärquellen. Außerdem prüfen, ob für 2026 eine neue Morningstar-Ausgabe vorliegt.]
Was das in Euro bedeutet (Rechenbeispiel, Kapital 100.000 €):
| Entnahmerate pro Jahr | Jährlich | Monatlich |
|---|---|---|
| 3,3 % | 3.300 € | 275,00 € |
| 3,5 % | 3.500 € | 291,67 € |
| 3,9 % | 3.900 € | 325,00 € |
Rechnung ohne Steuern und ohne Inflationsanpassung; Kapital bleibt über den Zeitraum weitgehend erhalten oder reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit für ca. 30 Jahre.
Wer mehr entnimmt, verbraucht das Kapital bewusst. Das ist ein legitimer Plan, aber kein „sicherer“ im Sinne von Kapitalerhalt. Unsere Modellrechnung auf der Seite Entnahmeplan zeigt das:
| Annahme Rendite p. a. | Monatliche Auszahlung (100.000 €, 20 Jahre, 0,7 % Kosten) | Entspricht Entnahmerate |
|---|---|---|
| 3 % | 518,31 € | ca. 6,2 % pro Jahr |
| 5 % | 615,97 € | ca. 7,4 % pro Jahr |
| 7 % | 721,27 € | ca. 8,7 % pro Jahr |
Modellrechnung mit konstanter Rendite. Echte Märkte schwanken, und genau das ist das Risiko (siehe nächster Abschnitt). Das Kapital ist nach 20 Jahren aufgebraucht.
2. Die Reihenfolge der Renditen: das eigentliche Risiko
Nicht die durchschnittliche Rendite entscheidet, sondern wann die schlechten Jahre kommen. Fällt der Markt gleich zu Beginn des Ruhestands, müssen Sie Anteile zu niedrigen Kursen verkaufen, und diese fehlen später für die Erholung. Fachleute nennen das Sequence-of-Returns-Risiko. Dieselbe Durchschnittsrendite kann deshalb zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen, je nachdem, in welcher Reihenfolge die Jahre auftreten.
3. Pufferdepot und flexible Regeln
Gegen dieses Risiko gibt es zwei bewährte Ansätze. Stiftung Warentest (Finanztest 11/2023) hat fünf Entnahmestrategien untersucht: Fixe Rente, Flexible Rente, Zins-und-Dividenden-Rente, Rente mit Puffer und Lernende Rente. Die ersten drei sind einfach umzusetzen; für Rente mit Puffer und Lernende Rente nutzen Sie Online-Rechner.
- Puffer: Sie halten einen Teil des Geldes als Reserve (z. B. Tagesgeld), aus dem Sie in Krisenjahren entnehmen. Das Depot bekommt Zeit, sich zu erholen.
- Flexible Regeln: Sie passen die Entnahme jedes Jahr an den Depotstand an. Läuft es schlecht, entnehmen Sie weniger, läuft es gut, etwas mehr.
Der Preis dafür: Die Auszahlung schwankt, oder ein Teil des Geldes arbeitet nicht an der Börse. Wer feste Beträge für Miete, Versicherungen und Lebensmittel braucht, sollte genau das berücksichtigen. [QUELLE PRÜFEN: Konkrete Ergebnisse des Finanztest-Tests zum Krisenpuffer (test.de) vor Nennung von Zahlen gegenlesen.]
4. Ein Baustein für feste Kosten: die Sofortrente
Eine Sofortrente zahlt lebenslang, egal wie lange Sie leben und wie die Märkte laufen. Der Preis: Das Kapital ist gebunden, und Sie haben darüber keine freie Verfügung mehr. Bei Anbietern im Vergleich (Morgen & Morgen, Stand 06.08.2026, Alter 65, 10 Jahre Rentengarantiezeit, 100.000 € Einmalbeitrag) lagen die garantierten Renten zwischen 409 € und 444 € pro Monat.
| Anbieter (Beispiel) | Garantierte Rente pro Monat |
|---|---|
| Canada Life | 444 € |
| Württembergische | 431 € |
| Standard Life | 416 € |
| LV 1871 | 413 € |
| Allianz | 409 € |
Quelle: Morgen & Morgen, Stand 06.08.2026. Die Werte ändern sich laufend; maßgeblich ist das aktuelle Angebot.
Rechenbeispiel Fixkosten: Wenn Ihre festen Kosten durch die gesetzliche Rente nicht gedeckt sind und Ihnen 400 € im Monat fehlen, brauchen Sie dafür rund 90.000 € (bei 444 €) bis rund 98.000 € (bei 409 €) Einmalbeitrag. Ein Entnahmeplan mit sicherer Entnahmerate von 3,9 % bräuchte für dieselben 400 € rechnerisch deutlich mehr Kapital, nämlich etwa 123.000 €. [Rechnung: 400 € × 12 = 4.800 € ÷ 3,9 % ≈ 123.077 € → vor Veröffentlichung nochmals gegenrechnen und als Modellrechnung kennzeichnen.]
Dafür bleibt beim Entnahmeplan das Kapital vererbbar und verfügbar. Die Sofortrente kauft Sicherheit, der Entnahmeplan Flexibilität. Ein Vergleich beider Wege mit Zahlen steht in unserem Ratgeber „Ruhestandslösungen im Vergleich“ [LINK-URL PRÜFEN].
Zur Einordnung aus der Praxis: Finanztest hat 2020 für 100.000 € verglichen. Die Sofortrente lag bei 294 bis 319 € im Monat, der Auszahlplan je nach Anlage bei 268 bis 463 € über 30 Jahre. Die Zahlen sind historisch (niedrigere Zinsen als heute), zeigen aber das Grundmuster: Der Auszahlplan hat die größere Bandbreite nach oben und nach unten.
Ein Beispiel des Instituts für Aktuar- und Finanzwissenschaften (ifa) kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Wer als 65-Jähriger mit 100.000 € monatlich 416 € aus einem Fonds entnimmt, hat laut Studie ein deutlich erhöhtes Risiko, dass das Geld vor dem 85. Lebensjahr aufgebraucht ist. [QUELLE PRÜFEN: Die Angaben (24,5 % Ausfallrisiko bis 85, 36 % bis 90, 6 % Fondsrendite) stammen aus einer Sekundärquelle (finanzplanung-frohnwieser.de, 8.5.2023). Vor Veröffentlichung die ifa-Primärstudie suchen und zitieren, sonst Absatz streichen.] 416 € pro Monat entsprechen 4.992 € pro Jahr, also einer Entnahmerate von rund 5 %. Das liegt klar über den oben genannten sicheren Raten.
5. Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt?
Bevor Sie einen Plan wählen, klären Sie, was Ihnen wichtiger ist:
- Kapitalerhalt: Sie entnehmen nur etwa Erträge bzw. eine niedrige Rate. Sicherer, aber die Auszahlung ist geringer.
- Kapitalverzehr: Sie planen, das Geld bis zu einem bestimmten Alter aufzubrauchen. Höhere Auszahlung, aber ohne Absicherung für ein sehr langes Leben.
- Kombination: Ein Teil als Sofortrente (lebenslang), ein Teil als Entnahmeplan (flexibel). Wie das in Zahlen aussieht, rechnet unser Ruhestandsplaner [LINK erst setzen, wenn live] aus. Beispiel aus dem Rechner: Bei 50/50 Aufteilung ergeben sich 211,31 € plus 287,90 € = 499,21 € im Monat (Schnellschätzung mit Marktdurchschnitt, 5 % Rendite, Rechnung bis Alter 90; keine Garantie).
Welcher Plan passt zu wem? (Orientierung, keine Beratung)
| Ihre Situation | Naheliegender Aufbau |
|---|---|
| Fixkosten sind durch Rente und Einkünfte gedeckt, Kapital ist „on top“ | Entnahmeplan mit niedriger Rate und/oder flexiblen Regeln |
| Es fehlt ein fester Betrag pro Monat | Sofortrente für die Lücke, Rest im Entnahmeplan |
| Sie wollen vererben | Entnahmeplan mit niedriger Rate; Sofortrente nur mit Hinterbliebenenoption oder Rentengarantie |
| Sehr langes Leben in der Familie | Größerer Anteil als Sofortrente (Langlebigkeitsrisiko) |
Transparenzhinweis
Finanzmanager24 vermittelt als unabhängiger Versicherungsmakler sowohl Sofortrenten als auch Entnahmepläne. Bei einer Vermittlung erhalten wir eine Provision. Für Sie bleibt der Vergleich kostenlos. Dieser Artikel ist allgemeine Information und keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Welcher Entnahmeplan ist am sichersten?
Ein Plan mit niedriger Entnahmerate, einem Puffer für Krisenjahre und flexiblen Regeln ist robuster als eine feste Entnahme. Absolut sicher ist keiner, da Marktentwicklung, Inflation und Lebensdauer ungewiss sind.
Wie viel kann ich jährlich entnehmen, ohne dass das Geld ausgeht?
Die klassische Faustregel nennt 4 % des Startkapitals. Neuere Untersuchungen kommen je nach Markt und Zeitraum auf etwa 3 bis 4 %. Morningstar nannte für 2025 einen Wert von 3,9 %. Bei 100.000 € sind das rund 325 € im Monat.
Ist eine Sofortrente sicherer als ein Entnahmeplan?
Eine Sofortrente zahlt lebenslang, unabhängig von der Börse. Dafür ist das Kapital gebunden. Ein Entnahmeplan bleibt flexibel und vererbbar, trägt aber Markt- und Langlebigkeitsrisiko.
Kann ich beides kombinieren?
Ja. Viele Rentner sichern ihre Fixkosten mit einer Sofortrente ab und halten den Rest flexibel im Entnahmeplan. Mit dem Ruhestandsplaner lässt sich die Aufteilung durchrechnen.
Was passiert, wenn das Kapital vor meinem Lebensende aufgebraucht ist?
Dann endet die Auszahlung aus dem Plan. Als Absicherung dienen eine niedrige Entnahmerate, ein Puffer oder eine lebenslange Rente für den Grundbedarf.
Weiterführende Seiten
- Entnahmeplan: Auszahlung planen und berechnen
- Entnahmeplan Anbieter Vergleich
- Sofortrente Vergleich kostenlos anfordern
- Entnahmeplan Vergleich kostenlos anfordern
Quellen
- Bengen, W. P. (1994): „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“, Journal of Financial Planning. [LINK PRÜFEN]
- Cooley, Hubbard, Walz (1998): Trinity-Studie „Retirement Savings: Choosing a Withdrawal Rate That Is Sustainable“. [LINK PRÜFEN]
- Morningstar: „State of Retirement Income“ 2025 (Startentnahmerate 3,9 %). [EXAKTEN LINK UND AUSGABE PRÜFEN]
- Stiftung Warentest, Finanztest 11/2023: Pantoffel-Portfolio Entnahmeplan
- Stiftung Warentest: Entnahmeplan mit Krisenpuffer · Realitätscheck
- Stiftung Warentest, Finanztest 10/2020: Zusatzrente: Zwei Alternativen für 100.000 Euro
- Stiftung Warentest, Pressemitteilung: Zusatzrente mit ETF
- ifa Institut für Aktuar- und Finanzwissenschaften, Studie zu Entnahmeplan und Sofortrente. [PRIMÄRQUELLE ERGÄNZEN]
- Morgen & Morgen: Sofortrentenvergleich, Stand 06.08.2026 (Alter 65, Rentengarantiezeit 10 Jahre).
- Eigene Modellrechnung: Finanzmanager24, Seite „Entnahmeplan“.
Dirk Wedler
Unabhängiger Versicherungsmakler · Gründer von Finanzmanager24
Seit 30 Jahren bin ich in der Finanzbranche tätig, davon seit 22 Jahren als unabhängiger Versicherungsmakler. Im Jahr 2004 gründete ich Finanzmanager24. Mein Schwerpunkt liegt heute auf Altersvorsorge und Rentenversicherungen, Sofortrenten, Kapitalanlagen sowie individuellen Entnahmeplänen.
Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.